Bariatrische Operation: Schwangerschaft danach

11.06.19 - Bariatrische Operation: Schwangerschaft danach

Inhaltsverzeichnis

Schwangerschaftsrisiken

Die Schwangerschaft gilt als Risikoschwangerschaft: LGA und fetale Makrosomie ist deutlich reduziert, jedoch besteht eine erhöhte Rate an SGA (19%) Wachstumsretardierung und Totgeburten, die am ehesten zurückzuführen ist auf Ernährungsdefizite bei der Mutter, insbesondere auf einen Mangel von Mikronährstoffen. Eine Anämie tritt bis zu 40% auf. Eisen- und Proteinmangel sind mit Wachstumsretardierung assoziiert. Am häufigsten wurde zudem ein Mangel an Vitamin A, der zu visualen Komplikationen führen kann, Vitamin-K-Mangel mit Risiko für Hirnblutungen und Vitamin-B12-Mangel mit Risiko für neurologische und Entwicklungsstörungen beschrieben. Im 2. und 3. Trimenon besteht das Risiko der intestinalen Hernie, besonders nach RYGB. Die chirurgische Notfalllaparoskopie oder -tomie einer internen Hernie < 48 Stunden nach Beginn der Symptome reduziert das Risiko für kindliche und mütterliche Todesfälle und Darmresektionen der Mutter.

Es wird eine Gewichtszunahme von 8-10 kg empfohlen und Beachtung einer bedarfsdeckenden Protein- und Mikronährstoffzufuhr. Zusätzlich zur regulären Schwangerschaftsvorsorge werden Biometrien 4-wöchentlich nach dem 3. Screening und folgende Abklärungen und Beratungen durch das Ambulatorium oder den niedergelassenen Praxisarzt erfolgen:

Vorstellung in bariatrischer Nachsorgesprechstunde

So bald wie möglich nach Erstdiagnose der Schwangerschaft einmalige ambulante Konsultation einer spezialisierten bariatrischen Nachsorgesprechstunde, typischerweise dort wo die Patientin bereits eingebunden, meist wohnortnah (siehe unten). Falls die Schwangere keine Anbindung an eine bariatrische Nachsorge hat, Zuweisung an das Adipositaszentrum LUKS oder wohnortnah.

Anmeldung unter: Tel. 041 205 38 50. Mail: adipositaszentrum@luks.ch

Ärztliche Ansprechpartnerin: Dr.med. Alena Siegried, alena.siegfried@luks.ch

Die Beratung fokussiert auf die ernährungstherapeutische Betreuung und Kontrolle ausreichender und angepasster Substitution der Vitamine und Spurenelemente in der Schwangerschaft gemäss der SMOB Richtlinien.

Struktur der Adipositaszentren Zentral CH

Bariatrische Operationen finden am LUKS und in Stans (Kantonspital Nidwalden) statt. Das Angebot der konservativen Therapie (Ernährungsberatung, Physiotherapie, Psychologische Betreuung) findet am LUKS statt, aber auch auf Wunsch wohnortnah in KS Nidwalden, Spital Sursee, KS Zug, KS Schwyz, Spital Altdorf, Spital Wolhusen. Bariatrisch operiert wird auch am Spital Sursee, welches eine Abklärung (bariatrisch/konservativ) in einer eigenen med. Sprechstunde durchführt und eine konservative Therapie für eigene Patienten, aber auch Patienten aus unserem Adipositaszentrum anbietet. Eine postoperative Betreuung wird normalerweise am Zentrum durchgeführt an welchem die Operation stattgefunden hat, also am LUKS (schliesst KS Nidwalden mit ein) oder in Sursee. Nach Wohnortwechsel des Patienten kann natürlich eine Weiterbetreuung durch unser Adipositaszentrum weitergeführt werden.

Laborchemische Kontrolle in jedem Trimenon

Blutentnahme und Kontrolle der Parameter durch das betreuende Ambulatorium oder den schwangerschaftsbetreuenden Arzt / Ärztin. Dieses Konzept ist erarbeitet nach den Richtlinien der SMOB und der ASMBS-Guidelines, sowie der Empfehlungen aus mehrjähriger Arbeit der Fachgruppe Bariatrie und Schwangerschaft des Berufsverbandes der BSc Ernährungsberaterinnen SVDE und gedacht für den sofortigen Gebrauch.


Verlinkung mit pdf-Dokument Laboranforderung bariatr schwanger 06 2019

Laborwertkontrollen

Labor Anforderung bariatrische Schwangerschaft

Screening auf Gestationsdiabetes

Anleitung zur BZ-Selbstmessung und Kontrolle der Messwerte im Schwangerenambulatorium FKL durch Diabetesberaterin und Hebamme HF Sarah Bühler

Telefon 041 205 59 36, sarah.buehler@luks.ch

oGTT: kontraindiziert. Gefahr des Früh- und Spätdumpings mit symptomatischer Hypoglykämie bereits ab 90 Minuten.

Blutzuckertagesprofil mittels Selbstmessung in der 12.-16. SSW und 24.-28. SSW und ca. 32. SSW Grenzwerte: 5.3 mmol/l (nüchtern), 8 mmol/l (1 Stunde postprandial), 7 mmol/l (2 Stunden postprandial).

Postnatal / Beim Stillen

Laborchemische Kontrolle3 Monate nach der Geburt, solange gestillt wird, wegen möglichen Mikronährstoffmangel bei den Säuglingen. Keine ViDe® Trpf wegen Alkoholgehalt, sondern Vitamin D3 Streuli® oder LUVIT D3® per os. Keine Vitamin D3 Ampullen wegen der sehr hohen Konzentration. Die Pille stellt keine ganz sichere Verhütungsmethode dar (veränderte Aufnahme im Dünndarm), Spirale wird empfohlen.

Abkürzungen

ASMBSAmerican Society for Metabolic and Bariatric Surgery

LGA large for gestational age

RYGB Roux-en-Y gastric bypass

SGA small for gestational age

SMOB Swiss Society of morbid Obesity and metabolic Disorders

SVDE Schweizerischer Verband der Ernährungsberater/-innen

Referenzen

www.smob.ch Richtlinien für Schwangere, 2018

S3-Leitlinie Gestationsdiabetes, 2018, AWMF online

Kreklau A, Ochs K, Winkler A, Oehme F, Innere Hernie nach Roux-en-Y-Magenbypass, GebFra 2017

Links

Fachgruppe der schweizerischen Ernährungsberaterinnen

http://www.svde-asdd.ch/verband/gruppen/fachgruppe...

American Society for Metabolic and Bariatric Surgery

https://asmbs.org/resource-categories/guidelines-r...

Autor: A. Winkler
Autorisiert: A. Winkler
Version: 11.06.2019
Gültig bis:30.06.2020