Austreibungsperiode

22.01.26 - Anpassung der Definition gemäss DRG der protrahierten EP und AP

08.06.17 - Link: Manuelle Rotation des kindlichen Kopfes

Inhaltsverzeichnis

 

 

 

Begriffe und Abkürzungen

  • AA: Assistenzarzt
  • AP: Austreibungsperiode
  • EP: Eröffnungsperiode
  • MM: Muttermund
  • MMv: Muttermund vollständig eröffnet
  • OA: Oberarzt
  • PDA: Periduralanästhesie
  • VT: vorangehendes Teil
  • VU: Vaginaluntersuchung

 

Definitionen

  • Latenzphase / frühe Eröffnungsperiode (EP): Zeitspanne von Geburtsbeginn bis zu einer Muttermunderöffnung von 4–6 cm 
  • Protrahierte Latenzphase / frühe EP: Latenzphase / frühe EP, welche länger als 20 Stunden bei Erstgebärenden bzw. länger als 14 Stunden bei Mehrgebärenden dauert
  • Aktive (oder späte) EP: Zeitspanne von einer Muttermunderöffnung von 4–6 cm bis zur vollständigen Muttermundöffnung 
  • Protrahierte aktive / späte EP: Es muss beachtet werden, dass in Bezug auf die protrahierte aktive / späte EP keine einheitliche evidenzbasierte Definition besteht. Die allgemein beschriebene Rate der Muttermunderöffnung zur Diagnose einer protrahierten aktiven / späten EP beträgt < 1 (tendenziell bei Erstgebärenden) bis 2 cm (tendenziell bei Mehrgebärenden) / 2 Stunden. Zudem sollten eine Abnahme der Dynamik der Muttermunderöffnung, Veränderungen in der Stärke, Frequenz und Dauer der Kontraktionen sowie das Tiefertreten und die Rotation des kindlichen Kopfes berücksichtigt werden. Der Zeitpunkt, zu welchem eine protrahierte aktive / späte EP diagnostiziert werden kann, unterscheidet sich folglich situativ. 
  • Geburtsstillstand in der aktiven / späten EP: Keine Veränderung der Muttermunderöffnung > 4 Stunden bei regelmässigen Kontraktionen bzw. > 6 Stunden bei unregelmässigen Kontraktionen in der aktiven / späten EP bei offener Fruchtblase
  • Austreibungsperiode (AP): Zeitspanne von einer vollständingen Muttermunderöffnung bis zur Geburt des Kindes
  • Passive AP: Phase der AP, in der (noch) kein Pressdrang vorhanden ist. 
  • Aktive AP: Phase der AP, in der Kind sichtbar ist und / oder ein reflektorischer Pressdrang besteht oder ein aktives Pressen ohne reflektorischer Pressdrang erfolgt 
  • Protrahierte AP: Aktive AP, welche inadäquate Fortschritte bezüglich Rotation und / oder Tiefertreten des Kindes > 2 Stunden bei einer Erstgebärenden und > 1 Stunde bei einer Mehrgebärenden aufweist
  • Geburtsstillstand in der AP: Dauer der aktiven AP > 3 Stunden bei einer Erstgebärenden und > 2 Stunden bei einer Mehrgebärenden

 

DRG-konforme Definitionen

  • Protrahierte EP: Dauer > 8 Stunden von Muttermund 6 cm eröffnet bis zur vollständigen Muttermunderöffnung
  • Protrahierte AP: Dauer der AP > 3 Stunden bei einer Erstgebärenden und > 2 Stunden bei einer Mehrgeränden

Wichtig ist, dass, bei der Diagnose der protrahierten Austreibungsperiode (genauso wie bei der protrahierten Eröffnungsperiode) in der Geburtsnotiz dokumentiert wird, welche Massnahmen zum besseren Geburtsfortschritt ergriffen wurden (z.B. Lagerungswechsel, PDA, Oxytocin, manuelle Rotation, 4-Füssler, etc...). 

 

AP - Richtzeiten

  • Erstgebärende:
    2 h ohne PDA
    3 h mit PDA
  • Mehrgebärende:
    1 h ohne PDA
    2 h mit PDA

 

 

AP-Betreuung allgemein

  • kontinuierliches CTG, bei IUFT immer Tokogramm
  • VU stündlich ab MM bis auf Saum vollständig eröffnet:
    • Reaktion auf Einstellung, Wehen, Tiefertreten des VT durch Anpassung Lagerung und Syntocinon-Dosis
    • Bei dorsoposteriorer Einstellung ggf. manuelle Kopfrotation
  • Information der Schwangeren über Verlauf
  • Ab vollständiger MM-Eröffnung => Pfeilnaht UND Fontanelle müssen palpiert werden = Einstellung muss bekannt sein
  • falls nicht vollständig tastbar oder bei Unsicherheit=> grosszügig sonographische Lagekontrolle

 

 

Voraussetzungen für aktives Mitpressen

  • geburtsbereiter Befund
  • Erstgebärende: ideal VT auf Beckenboden und Pfeilnaht gerade
  • Mehrgebärende: Reflektorischer Pressdrang

 

 

Kristellerhilfe

  • wird im klassischen Sinne nicht mehr angewendet
  • Vaginaloperative Entbindung ist Kristellerhilfe überlegen und zu bevorzugen
  • Statt "klassischer Kristeller" Führen des Steisses: Fundus tasten, mit einer oder zwei flachen Händen den Steiss Richtung kaudal (nicht dorsal) führen. Dabei moderaten, dosierten Druck ausüben. Kein starker Druck!
  • nie bei nicht ausrotiertem Kopf oder nicht geburtsbereitem Befund
  • nie ohne AA oder OA
  • nie bei Status nach Sectio caesarea

 

 

Einstellungsanomalien

  • ggf. späte PDA und abwarten ob VT tiefer tritt
  • Hoher Geradstand: per Definition erst ab MMv und eröffneter Fruchtblase

=> bei dorsoposteriorer Einstellung

 

 

CTG-Beurteilung

link CTG-Beurteilung

Teamarbeit

  • Die Hebammen informieren regelmässig über Verlauf, damit das Vertrauen wächst. Dienstweg einhalten, der Assistenzarzt bespricht sich mit den Hebammen, der OA wird bei Bedarf dazu geholt.
  • Info an AA wenn Pressen beginnt, Info an OA spätestens nach 2h MMv
  • Besprechung ausserhalb des Zimmers: wer macht was?
  • Kompetenzen der Hebamme:
    • Die physiologische Geburt, Pathologie wird erkannt und gemeinsam betreut
    • CTG-Interpretation
    • Episiotomie oder nicht? Die Hebamme beurteilt den Damm (Dammvorbereitung), letztlich gemeinsame Beurteilung mit Arzt (Situationsabhängig).
    • Anfänger (Stud. Hebamme/ AA) lernen und werden angeleitet, erfahrene Hebammen haben wichtige «Kontrollfunktion». Der AA soll bei Kapazität mit einbezogen werden, die Ärzte sollen sich auch aktiv an die Hebammen wenden.